Donnerstag, 05.06.14 Gabrielides, Michael

Frische HU-Plaketten für Schrottautos?

Frische HU-Plaketten für Schrottautos?

Fragwürdige Prüfer und Händler arbeiten zusammen, um schrottreife Autos mit frischen HU-Plaketten zu verkaufe.

Das berichtet Auto Bild in der neuesten Ausgabe.

Recherchen führten die Redakteure in ein Milieu, in dem korrupte Prüfer Fahrzeuge als mängelfrei kennzeichnen, woraufhin mit ihnen zusammenarbeitende
Händler die Autos verkaufen. Meist werden die Autos dann noch als "Bastlerfahrzeug" angeboten, um so die Gewährleistungspflicht zu umgehen. Insider berichten gegenüber Auto Bild sogar von illegalen Prüfbescheinigungen ohne Prüfung und gewerbsmäßiger Plakettenfälschung.

Sachverständige werden von ihren Arbeitgebern und den Aufsichtsbehörden regelmäßig in offenen und verdeckten Tests geprüft. Hierbei verweisen die Prüforganisationen auf eine Reklamationsquote von unter 0,01 Prozent. Trotzdem liegt nahe, dass einige schwarze Schafe einen illegalen Markt betreiben. Auto Bild berichtet von einem exemplarischen Fall: Die Redakteure schickten einen kürzlich gekauften 18 Jahre alten Seat Toledo nur elf Tage und 220 Kilometer nach einer bestandenen Hauptuntersuchung zur Nachkontrolle.

Das Urteil des DEKRA-Prüfers fiel verheerend aus: "So einen schlechten Fahrzeugzustand sehen wir selten." Nicht weniger als 13 erhebliche Mängel wies der Seat auf, unter anderem war der Motor ölfeucht, die Karosserie vielerorts durchgerostet und das ABS nicht funktionsfähig. Beim Blick in die Prüfhistorie erkennt man, dass der erste Prüfer der Organisation KÜS das Domlager und Korrosion monierte, bei der Nachprüfung zwei Tage später über die offensichtlich verpfuschten Reparaturen allerdings hinwegsah. Die Prüfstelle zog nach der Konfrontation mit dem Fall kommentarlos die Prüfbescheinigung des Seat zurück. Wenige Tage später tauchte dieser allerdings wieder in der Anzeige eines Händlers auf - mit dem Vertrauen schaffenden Verkaufsargument einer frisch bestandenen Hauptuntersuchung.

  • Michael Gabrielides

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