Dienstag, 03.11.15 Gabrielides, Michael

Cadillac ATS-V Test: Preis, Technische Daten, Fahrbericht

Cadillac ATS-V

Der neue Cadillac ATS-V im Test - Laut Fahrbericht innen komfortabel - Technische Daten: 6-Zylinder V-Motor 476 PS - Preis 69.900 Euro die Limo, das Coupé 72.500 Euro

Cadillac kommt nun mit Sportlichkeit

Cadillac will sein sein Versprechen der Sportlichkeit endlich einlösen. Der CTS-V ist als BMW-M5-Konkurrent eher das Tempobolzen machen und der agile Cadillac ATS-V soll dem M3 entgegen stehen. Eine Alternative ist der Ami allemal.

Der Innenraum des Cadillac ATS-V ist merklich bequemer geworden - keine Innenraumwüsten aus Plastik mehr

Die amerikanischen Straßensportler machen einem manchmal zwiespältige Gefühle. Man denkt an kraftstrotzende Klassiker, wie zum Beispiel die Corvette oder sieht im geistgen Auge Innenraumwüsten aus Plastik. Lässt man sich allerdings hinter das Alcantara-Lenkrad fallen in die bequemen Sportsitze, sind die Vorurteile wie weggefegt. Das Bild wird geprägt durch Klavierlack und Leder und alles sieht ordentlich aus und fühlt sich auch so an. Die Perfektion eines Audi-Innenraums wird zwar nicht erreicht, allerdings ist schon ein merklicher Fortschritt getan gegenüber vergangener Tage Ambiente-Sünden. Nur beim Blinkerhebel fühlt die Handfläche minderwertiges Hartplastik.

Der Cadillac ATS-V - Technische Daten 346 kW / 470 PS - Der Fahrbericht: in 3,9 Sekunden auf 100 - 603 Newtonmeter Drehmoment

Der Hebel wird allerdings sehr oft gebraucht, wenn der Cadillac ATS-V mit der Power von 346 kW / 470 PS die deutschen Straßen beglückt. Der Cadillac ATS-V schlägt den BMW M3 damit um 39 PS. Beide haben als Antrieb interessanterweise einen Sechszylinder Motor, der zu sportlichen Höchstleistungen gezüchtet worden ist, nur die Töpfe sind unterschiedlich angeordnet, der Ami als V und der Münchener in Reihe, so wie es sich gehört. Nur der Mercedes C63 AMG kann den Cadillac ATS-V schlagen mit seinem 510 PS V8-Bi-Turbo. Der Us-Boy macht sich aber nicht schlecht beim reinen Tempobolzen mit 3,9 Sekunden, wenn er auf 100 km/h sprintet. Der Cadillac ATS-V ist einen Wimpernschlag schneller als der M3 laut Fahrbericht. Auch die Spitze von 304 km/h ist für das Wettrennen zwischen Garmisch und Flensburg auf den Autobahnen sicher kein Nachteil.

Das Leistungsgewicht: 3,3 Kilogramm pro PS

Für die Amis ist das ebenso wichtig wie das Leistungsgewicht, das 3,3 Kilogramm pro PS ausmacht. Bei allem Mercedes-PS-Glanz ist der imageträchtige Gegner der BMW M3 und der M4, den die Amerikaner angreifen wollen. So wundert es nicht, dass der Cadillac ATS-V als Limousine und auch als Coupé auf den Markt kommt. der BMW ist fahrdynamisch in den USA die Referenz der Mittelklasse. Die Cadillac-Entwickler haben genau da den Hebel angesetzt. Tony Roma, der Chefentwickler in der Cadillac-V-Sparte kommentiert, dass die Entwickler sich die Konkurrenten und besonders den BMW M3 genau angesehen haben.

Der Cadillac ATS-V im Test liebt Kurven - schluckt aber Sprit

Das Ergebnis des Kurventanz-Kräftemessens ist auf jedem Meter des Landstraßen Asphalts zu spüren, den der Cadillac ATS-V darauf zurücklegt. Vergangene Ami-Sportler charakterisierten lediglich eine Geradeaus-Attitüde und sonst nichts. Die ist nun wie weggeblasen. Der schnelle Cadillac liebt im Test jede Kurve und braucht sich dabei vor der deutschen Konkurrenz überhaupt nicht zu verstecken. Die Richtungsänderungen machen ihm einen Riesenspaß. Immer nach dem gleichen Muster: anbremsen und einlenken und Scheitel treffen und rauf aufs Gas, dann ab damit. Allerdings ist der Ami mit dem Durchschnittsverbrauch pro 100 Kilometern von 11,6 Litern kein Kostverächter.

Die Kraft des Cadillac ATS-V braucht Drehzahlen über 3.500 U/min - Lenkung etwas unter dem Niveau des BMW - Technische Daten

Der sauschnelle Cadillac hat ein Fahrwerk, das die 1,7 Tonnen Gewicht gekonnt kaschiert. Es ist sehr exakt abgestimmt sowie auf Höchstleistung getrimmt. Das Mitlenkbedürfnis wir vom Heck freundlich aber nachdrücklich angekündigt Bei der freudespendenden Jagd der Ideallinie nach ist er ein ziemlich zuverlässiger Partner. Die Lenkung ist ebenfalls ziemlich präzise und kann allerdings bei Rückmeldungen bezüglich der Straßenoberfläche und der Traktion nicht voll mit Niveau der Steuerung bei den BMW-M-Modellen mithalten. Aus der Corvette hat man die Achtstufen-Automatik entnommen, die mit schnellen Gangwechseln den Vorwärtsdrang unterstützt. Man kann sich allerdings mit den beiden Wippen durchklicken durch die Gänge und nach Rennfahrermanier die Kraft des Drehmoments von maximal 603 Newtonmetern ausnutzen, die sich erst ab voll entfalten. Der ATS-V ist recht drehfreudig, was bei dem kraftstrotzenden V6-Aggregat sicherlich kein Nachteil ist. Der Antrieb verwandelt sich je nach Fahrmodus Tour oder Sport oder Track oder Ice in eine knurrende oder röhrende Bestie.

Die Tonlage und das Verhalten des Fahrwerks wandeln sich - Der Preis des Cadillac ATS-V

Die Tonlage des Triebwerks wandelt auch die Attitüde des Fahrzeugs. Das Verhalten des Cadillac ATS-V ändert sich von möglichst weichgespült sowie komfortabel (Tour) zur vollen Attacke bei Track. Der Fahrer hat dann freie Hand mit der scharfen Abstimmung des Amis, es ist Freude und Herausforderung zugleich. Der Preis für die Limousine beträgt ab 69.900 Euro, das schicke Coupé gibt es für 72.500 Euro. Das sei doch viel Sportwagen für den Preis, meint Tony Roma, ob man denn noch mehr wolle? Die stille Antwort lautet vorsichtshalber: nein.

  • Michael Gabrielides

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